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Ortwechsel: Australisches Outback

Notfallmediziner Ingo Störmer fliegt zu Verletzten in die abgelegenen Winkel Australiens.
Der Unfall mit dem Emu verfolgt Ingo Störmer noch immer. In seiner Einführungswoche beim Royal Flying Doctor Service (RFDS), Australiens fliegenden Ärzten, war er zu einem waschechten Klischee-Notfall ausgerückt: In der roten Steppe, irgendwo zwischen Broken Hill und dem Nirgendwo, war ein Motorradfahrer mit einem Emu zusammengeprallt und hatte sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Und Störmer musste hin. Alle möglichen Lokalzeitungen hatten damals freudig berichtet - über die erste Begegnung ihres neuen deutschen Notarztes mit Down Unders Wildnis. "Dabei sind Unfälle mit exotischen Tieren, Schlangengift und Spinnenbissen selbst im tiefsten Outback eher die Ausnahme", sagt Störmer. "Der Alltag ist, dass Leute Verkehrsunfälle oder einen Herzinfarkt haben." Seit fast zwei Jahren lebt und arbeitet der 38-Jährige, der als Anästhesist und Intensivmediziner jahrelang im Rettungsdienst an der Uniklinik Düsseldorf tätig war, im staubigen Inland der Provinz New South Wales. Anfangs musste der Deutsche umdenken. Als Notarzt in Düsseldorf arbeitete er zeitsparend und effizient. Doch im Outbackdienst war statt einer kurzen, aufs Wesentliche beschränkten Behandlung vielmehr die umfassende Erstversorgung gefragt. "Man muss hier viel mehr das soziale Umfeld beachten", sagt der Anästhesist und meint damit das größere Fingerspitzengefühl beim Umgang mit den Menschen im australischen Busch.
(Text: Vera Sprothen; Illustration: Bente Schipp)